Warum tun sich viele Frauen mit dem Thema Karriere so schwer?

Regula Bührer Fecker, Autorin des Buches #frauenarbeit, hilft jungen Frauen dabei, sich im Karrieredschungel zu orientieren.
Ein Interview.

Von Fabienne Iff

2007 gründete sie zusammen mit ihren Partnern die Kommunikationsagentur „Rod“, zweimal gewann sie bislang den Preis als Schweizer Werberin des Jahres. Letztes Jahr veröffentlichte sie den Ratgeber „#Frauenarbeit. Tipps und Tricks für junge Berufsfrauen“. Darin breitet sie ihren Erfahrungsschatz für eine gelingende Karriere aus: Von „Organisieren“ über „Vernetzen“ bis hin zu „Quälen“ und „Präsentieren“ spricht sie in zehn Kapiteln darüber, welche Fähigkeiten sie weitergebracht haben.

Liebe Regula, warum tun sich viele Frauen mit dem Thema Karriere so schwer?
Ich glaube, Frauen mussten erst erkennen, dass sie gleichberechtigter leben können. Früher gab es karrieretechnisch kaum Vorbilder. Rein biologisch betrachtet rückt das Thema Karriere in den Hintergrund, wenn jemand Mutter wird. Das wandelt sich zum Glück gerade, braucht aber noch Zeit.

Die amerikanische Geschäftsfrau Sheryl Sandberg spricht von inneren Blockaden der Frauen – dass sie sich beispielsweise weniger zutrauen als Männer. Daneben nennt sie äußere Faktoren, wie etwa das gesellschaftliche Bild davon, wie eine Frau zu sein hat, als weitere Hürden. Welche Erfahrungen hast du mit diesen inneren und äußeren Hürden gemacht?
Sheryl Sandberg hat sicherlich recht, dass es beides gibt. Ich sehe, dass es uns Frauen oft wichtiger ist, die Nette zu sein, als irgendwo hinzukommen. Erfolg macht einen nicht bei allen beliebt. Über die Jahre habe ich gelernt, diese innere Kritikerin auch mal auszuschalten. Es ist zentral, was ich über mich denke und dass ich selbst definiere, was ich will.

„Ich finde es eine Stärke und eine Schwäche, dass Frauen ihre Meinung sehr lange hinterm Berg halten können.“

Also würdest du sagen, dass es bei uns selbst anfängt, indem wir zuerst unsere Denke überprüfen?
Das gehört sicherlich dazu. Ich finde es jedoch genauso wichtig, Vorbilder zu haben, mit denen ich mich identifizieren kann, und dass ich Geschichten von anderen höre.

Welche Stärken bringen Frauen mit an den Arbeitsplatz?
Ich finde es eine Stärke und eine Schwäche, dass Frauen ihre Meinung sehr lange hinterm Berg halten können. Lange zuhören zu können, ist eine positive Eigenschaft. Eine Ansicht wird dadurch gefestigt – nur müssen wir sie anschließend auch kundtun. Daran hapert es häufig.

Eine deiner Thesen im Buch lautet, dass Frauen zwischen 20 und 30 beruflich mehr Gas geben müssen, weil durch Mutterschaftsurlaub weniger Zeit für die Karriere bleibt. Wie strategisch bist du bei deiner eigenen Karriere vorgegangen?
Ich selbst habe mir Ziele gesetzt, was ich zwischen 20 und 30 erreichen wollte – und dann ist Alles ein bisschen anders gekommen. Wissen, wohin man eigentlich will und dennoch offen zu sein, um etwas Spannendes zu entdecken, das lässt sich gut kombinieren. Du kannst leichter experimentieren, wenn du in etwa die Richtung kennst. Es hilft auch, wenn du zurückschaust zu dem, was du früher gesagt hast. Wir wissen meistens, was wir als Kind werden wollten, aber alles zwischen Kindheit und Gegenwart vergessen wir gerne.

Bist du in deinem Sabbatical auch so vorgegeangen?
Ja schon, aber ich habe nicht mehr ganz so weit zurückgeschaut. Ich frage mich zurzeit mehr, worin ich meine Zeit investieren will. Es gibt diese Gegensätze „Wohin treibt es mich?“ vs. „Wohin lasse ich mich gehen?“ Hier habe ich mich beispielsweise bewusst gefragt, was ich erleben möchte, bis die Kinder aus der Grundschule sind – was kann ich ihnen geben und was möchte ich im Gegenzug haben? Wenn du links oder rechts davon landest, ist das okay. Das passiert bei jedem. Wir befinden uns auf einer Reise, und coole Sachen werden immer wieder an uns herangetragen. Ich erlebe es als eine Art Naturregel: Je klarer ich meine Wünsche benennen kann, umso mehr ziehe ich solche Dinge an.

Als ich las, dass du in fünf Jahren Arbeitsstunden von zehn angehäuft hast, hat mich das umgehauen. Sollte das jede Frau so machen?
Damals hat es mir einfach Spaß gemacht, ich fühlte mich weder unterbezahlt noch ausgenutzt. Ich fand es toll, was ich alles machen durfte. Wenn man etwas gerne macht, dann fallen die Stunden gar nicht auf. Bei mir hat es diese Quantität gebraucht, dass ich heute schneller aussieben und viel klarer Ja oder Nein sagen kann. Als Mutter will ich solche Dinge heute in konzentriertere Zeit packen, weil ich abends nach Hause möchte. Ich habe nicht mehr die Kapazität einer 20-Jährigen, die schaut, ob’s was wird, wenn sie Vollgas gibt.

„Mein Buch ist ein Erfahrungsbericht, ich schreibe kein Manifest.“

Wegen dieser Fülle an Arbeitsstunden wurde dir unterstellt, dass du dich mit dem schweizer System arrangierst, dieses aber nicht fragwürdig findest (in der Schweiz hat man 14 Wochen Mutterschaftsurlaub, der Vater erhält einen Tag). Was sagst du dazu?
Ganz ehrlich, ich sehe mich nicht politisch motiviert. Mein Buch ist ein Erfahrungsbericht, ich schreibe kein Manifest. Ich wollte zeigen, wie es bei mir gelaufen ist. Solche Erfahrungsberichte fehlen, das habe ich als Juniorin gemerkt. Klar stimmt vieles in der Schweiz nicht. Gleichzeitig frage ich mich, weshalb Männer nicht mehr Vaterschaftsurlaub nehmen wollen. In einem Kind steckt 50 Prozent von ihnen, da fängt es für mich in einer gleichberechtigten Beziehung an. Eine abschließende Antwort dazu habe ich aber nicht. Es ist sehr individuell, was sich Leute in dieser Lebensphase wünschen. Ich hoffe einfach, dass die Masse der Frauen, die gerne arbeiten möchten, das tun kann.

Was macht man eigentlich, wenn man bis 27 studiert? Wie kann man diese Zeit sinnvoll nutzen?
Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass jemand bis 27 nur studiert und kein bisschen Berufserfahrung gesammelt hat – sei das in den Semesterferien oder in einem Teilzeitjob. Wenn du mit 27 ein abgeschlossenes Studium hast und verschiedene Stationen im Lebenslauf vorweisen kannst, bist du in einer tollen Lage. Ich finde diese Kombination spannend. Ein Praktikum bietet auch die Gelegenheit, in einer Firma Fuß zu fassen. Es gibt sehr viele Dinge, die auf eine Zeit nach dem Studium einzahlen.

Du sprichst auch davon, dass junge Frauen ihre Arbeit zuerst zuverlässig und pünktlich machen sollen – damit falle man auf.
Dieser Tipp ist eingebettet ins Kapitel „Auffallen“ und es geht darum, mit Beständigkeit zu überraschen. Der Tipp eignet sich eher für Anfängerinnen, die sich möglicherweise noch nicht trauen, in einem Meeting zu sagen, was sie denken. Du signalisierst sanft, dass du gewillt bist aufzufallen, ohne dich gleich zu exponieren. Neben Zuverlässigkeit finde ich übrigens Schnelligkeit super. Das klingt simpel, aber schnell und fehlerfrei ist einer der billigsten und besten Moves, die du machen kannst.

Du selbst bist kaum auf Plattformen wie LinkedIn oder Xing unterwegs und sie kommen nicht in deinem Buch vor. Die junge Generation ist mit den sozialen Medien aufgewachsen. Welchen Umgang mit solchen Portalen findest du sinnvoll?
Ich rate, mit einem sauberen und soliden Profil präsent zu sein. Ich sehe solche Portale als Basis, als gute Visitenkarte, um anzufangen. Das persönliche Netzwerken und die Beziehungspflege ersetzen sie nicht. Es muss auch nicht jeder sehen, mit wem ich heute zu Mittag gegessen habe. Wenn alle alles wissen, werden wir irgendwann gleich.

„Oft limitieren wir uns auf das, was wir sehen. Dabei ist so viel möglich, wenn wir uns von dem lösen, was wir kennen.“

Mentoring wird auch immer diskutiert. Auf welche Eigenschaft achtest du bei einem potenziellen Mentee?
Wenn jemand so ambitioniert ist, dass ich denke „Der/Die wird mal eine Gefahr für mich“, bin ich interessiert. Ein weiteres Indiz ist, dass ich mich auf gemeinsame Treffen freue. Als Mentorin erhalte ich kein Geld, da spielt das Gemeinschaftliche eine große Rolle. Wenn Treffen zum plätschernden Pflichtprogramm werden, die ich abhaken muss, wird’s schwierig. Beispielsweise, wenn nur ich Fragen stelle oder man nicht weiß, worüber man sprechen soll – das sagt mir gar nicht zu. Ich möchte mich mit Personen umgeben, die mich bereichern und umgekehrt. Da soll man ruhig abends der Familie erzählen dürfen, was für eine coole Person der/die Mentee ist.

Welcher ist dein Lieblingstipp aus deinem Buch?
Im Moment beschäftigt mich das Kapitel „Gestalten“. Wir haben so viel in der Hand, und die Welt ist so viel größer als nur das Land in dem wir leben. Oft limitieren wir uns auf das, was wir sehen. Dabei ist so viel möglich, wenn wir uns von dem lösen, was wir kennen. In den Jahren, die vor uns liegen, steckt so viel Potenzial! Umso wichtiger ist es mir, dass mir meine Agenda nicht diktiert, was ich tun muss. Ich will darüberstehen und selbst bestimmen, was ich möchte.

Und bist du aktuell so selbstbestimmt?
Nein, jetzt gerade, nach dem Sabbatical, muss ich extrem viel. Es geht mehr darum, das Andere nicht aus den Augen zu verlieren. Im Sabbatical habe ich viel nachgedacht, worauf ich noch Lust habe, mit der Firma, mit den Partnern und so weiter. Das habe ich aufgeschrieben, damit ich mich im ganzen Muss daran erinnere.


Dieser Artikel ist zuerst in der dran erschienen, die wie edenjobs.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

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